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Statt zwei Räder zur Abwechslung mal sechs Saiten

  • Autorenbild: motolupo
    motolupo
  • 16. Feb.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Feb.

Eigentlich geht es hier ja um meine Motorräder und Reisen mit ihnen. Aber gut, es ist Winter, kalt, nicht immer schneefrei auf den Schwarzwaldstraßen, und ich mach nur hin und wieder mal eine kurze Fahrt von ein paar Stunden. Darum ist jetzt Zeit und Gelegenheit auch mal etwas über mein anderes Hobby zu berichten: Gitarren.


Wie Alles begann

Ich bin lediglich ein absolut unprofessioneller Spieler und klimpere überwiegend in meinem Kämmerlein vor mich hin. Mindestens genauso wie das Spielen interessiert mich aber das Instrument an sich. Darum haben ich laut letzter Zählung im Lauf der Jahre auch 18 Saiteninstrumente unterschiedlichster Art angesammelt.




Die erste Konzertgitarre, schon überwiegend Eigenproduktion

Ein paar davon habe ich in letzter Zeit teilweise oder ganz selbst gebaut, unter Anderem eine klassische Konzertgitarre im Rahmen eines Kurses bei einem Profi.




Jetzt wird's elektrisch!

Dann sollte es eine elektrische Gitarre sein. Das Holz und restliche Material hatte ich schon seit Monaten zu Hause rumliegen, aber noch nicht die Zeit und den Mut mich alleine ans Werk zu machen trotz unzähliger YouTube-Videos und Büchern zum Thema.




Im September 2024 besuche ich wieder mal den Guitar Summit in Mannheim. Das ist Europas größte Messe zum Thema Gitarren. Dabei treffe ich auf den Stand von Felix Büttner, seines Zeichens Zupfinstrumentenmachermeister, wie sich der Gitarrenbauer korrekt nennt. Und bei ihm buche ich nach kurzer Bedenkzeit einen einwöchigen Gitarrenbaukurs in Leipzig im Januar. Über den möchte ich jetzt berichten.


Der Plan

Der Korpus sollte aus rotbraunem Padoukholz bestehen mit einer dünnen Decke aus "quilted" Pappel. Dabei handelt es sich um sehr unregelmäßig gemasertes Holz mit vielen dunklen Einschlüssen und mehr oder weniger großen Löchern. Diese musste ich wegen der eher kurzen Kurszeit schon zu Hause vorab verschließen, was ich mit blau gefärbtem Epoxidharz machte.




Ich hatte natürlich schon eine recht genaue Vorstellung über das Aussehen und die technischen Details des Instruments. Mein Design übersende ich ihm vorab, er erstellt damit am PC einen detaillierten Plan im 1:1-Maßstab und fertigt auch schon eine Pappschablone an für den Korpus.




Endlich beim Kurs

Unter Vorlage der Pappschablone schneide ich beim Kurs zunächst eine identische Schablone aus Sperrholz aus. Mit deren Hilfe kann ich den Korpus mit aufgeleimter Decke aussägen. Das sieht dann schon mal nach Gitarre aus.



Dann folgen nach und nach die weiteren Arbeiten. Felix ist ein äußerst geduldiger und fähiger Lehrer. Er erklärt mir jeden Schritt genau und korrigiert mich bei Fehlern. Einige Arbeiten übernimmt er, wenn dabei die Gefahr besteht, dass ich seine Werkzeuge beschädige oder mich verletze. Bandsäge, Fräser, Stechbeitel, Bohrer und so weiter wollen schließlich fachgerecht gehandhabt werden. Einiges wie das Abschleifen der Bünde fange ich an und weiß dann, wie das geht, er erledigt dann den Rest, einfach, weil er das mit seiner jahrelangen Erfahrung natürlich viel schneller erledigt als ich und die zur Verfügung stehende Zeit begrenzt ist. Aber ansonsten entsteht die Gitarre vollständig durch mich. Das Arbeiten mit den Händen verschafft mir Befriedigung, das teilweise mühselige und zeitaufwändige Hobeln, Raspeln, Schnitzen und Schleifen, die Ausformung der Rundungen, das nicht ganz einfache Formen des Halses, ebenso die Beschäftigung meiner grauen Zellen, beispielsweise, wenn ich die endgültige Form der Kopfplatte festlegen und zeichnen muss.


Der Korpus muss natürlich noch weiter bearbeitet werden: Die Taschen für die Tonabnehmer, das Elektronikfach auf der Rückseite und der Ausschnitt, an dem der Hals angesetzt wird, müssen mit Hilfe von Schablonen ausgefräst werden. Die Kanten werden abgerundet, der Übergang zum Hals wird handschmeichlerisch und elegant ausgeformt.





Der Hals, gar nicht so easy

Die Herstellung des Halses stellt eine besondere Herausforderung dar. Aus einem rohen Stück Holz soll schließlich ein absolut gerader, glatter und wohlgeformter Hals entstehen. Das geschieht hier nicht wie in Fabriken mittels computergesteuerter CNC-Fräsen, sondern ausschließlich in Handarbeit mit Raspeln, Feilen, Hobel, Schnitzmesser, Schaber und Sandpapier. Die Kopfplatte wird schräg nach hinten abgewinkelt angeleimt und mit Bohrungen für die Stimmmechaniken versehen.



In den Hals wird der Halsstab in die gefräste Fuge eingesetzt, dann das Griffbrett aufgeleimt und anschließend mit den Schlitzen versehen, in die dann die Bunddrähte eingeschlagen werden. Diese müssen exakt auf gleicher Höhe abgerichtet werden, dann werden die Ecken verrundet, die Bünde schön rund gefeilt und schließlich auf Hochglanz poliert. Zuvor werden noch die Griffbrettmarkierungen eingesetzt. Der Sattel zwischen Griffbrett und Kopfplatte wird passend aus einem rohen Stück Material zugeschnitten, traditionell aus Knochen, in diesem Fall ist es eine Mischung aus Kunststoff und Graphit, die Kerben für die Saiten werden im korrekten Abstand und in passender Tiefe eingeschnitten.




Fast fertig

Dann können Korpus und Hals schließlich verschraubt werden. Die Hardware wird aufgeschraubt, also Steg, Stimmmechaniken und Tonabnehmer. Die Elektronik lötet Felix freundlicherweise zusammen, dann wird auch die eingesetzt. Nach dem Aufziehen der Saiten kann ich dann endlich die ersten Töne hören. Zuvor muss aber noch der Spannstab im Hals so gespannt werden, dass der Hals eine ganz leichte Biegung nach hinten hat, die Längen- und Höhenausrichtung der Saitenreiter am Steg wird für eine bequeme Saitenlage und Oktavreinheit eingestellt.


Hier noch ein Blick in die Werkstatt und auf den Maestro Felix.




Die Hausaufgaben

Nach sechs arbeitsreichen Tagen kann ich mein Prachtstück mit nach Hause nehmen. Zu Hause zerlege ich das Instrument wieder und entferne alle metallenen Bauteile. Die bei der ersten Bearbeitung übriggebliebenen Löcher in der Decke müssen nämlich nochmal besser gefüllt werden, dieses Mal mit einer breiigen Mischung aus feinem Sägemehl, blauem Pigmentpulver, Holzleim und etwas Wasser. Das Abschleifen kostet mich wieder etliche Schweißtropfen.




Dann erhalten Decke und Vorderseite der Kopfplatte verteilt auf drei Tage rund zwanzig dünne Schichten Klarlack mit mehrmals Zwischenschleifen mit sehr feinkörnigem Sandpapier. Nach ausreichender Trocknung wird der Lack mit immer feinerem Sandpapier bis 8000er Körnung geschliffen . Tonabnehmertaschen und Elektronikfach erhalten noch einen Anstrich mit Abschirmfarbe zur Reduzierung von Einstreugeräuschen. Korpusrückseite und Hals werden erst mit Schnellschleifgrundierung, dann mit Wachs behandelt und zuletzt das ganze Instrument mit Lammfell auf dem Schwingschleifer auf Hochglanz poliert. Dann endlich, nachdem alle Komponenten wieder aufgeschraubt und die Saiten aufgezogen sind, ist das Projekt abgeschlossen.


Fazit: Cool!

Ein wenig stolz bin ich schon auf mein Werk. Nein, das ist gelogen, ich bin seeehr stolz und zufrieden damit. Ich bin auch sehr froh dieses Unternehmen doch nicht selbst in Angriff genommen zu haben. Felix' fachkundige Unterweisung und seine zahllosen Tipps und Ratschläge haben mich vor vielen Fehlern bewahrt, das Ergebnis wäre garantiert nicht so gut ausgefallen. Ein paar Kleinigkeiten könnte man bei sehr kritischem Blick beanstanden, aber die stellen für mich kein Problem dar und gehören zum Lernprozess. Jetzt habe ich nur ein kleines Problem: Ich kann mich nicht entscheiden, was ich als nächstes in Angriff nehmen soll: Eine hohle Semiakustik, eine Lapsteel, eine Dobro-artige Resonatorgitarre... Dann aber todesmutig schon im Alleingang ohne fachkundige Anleitung. Schaumer mal.


Die fertige Gitarre









Wer an einem effektiven Gitarrenbaukurs interessiert ist, bei dem man viel lernt, der sein Geld wert ist und noch dazu Spaß macht: Felix Büttner ist meine klare Empfehlung.


Zum Schluss noch die Technik

Für diejenigen, die tiefer in der Materie stecken und es interessiert, hier noch die Details:


Hölzer: Korpus und Hals: Padouk, Korpusdecke und Kopfplatteneinlage: quilted Pappel, Griffbrett: Zirikote, alles von https://shop.espen.de/de/

Trussrod: Göldo Zweiwege (nicht zu empfehlen, kann klappern, lieber ein ummanteltes)

Mensur 629 mm

Griffbrettradius 12 Zoll

Griffbrett-dots Abalone

Bunddraht: Nickel-Silver Jumbo von Rockinger

Tonabnehmer: Seymour Duncan Voltage Pickup Black Set, splitbar

Brücke: Schaller 3D Bridge

Sattel: Graph Tech PT-4000-00 XL Jumbo Trem Nut

Potis: Rockinger Elektronik für Les Paul, Pushpotis long shaft, es werden aber nur zwei verwendet, Volume und Ton jeweils auf beide Pickups wirkend, push-pull-Funktion von Volume- bzw. Tonpoti zum Splitten des Hals- bzw. Brücken-PUs https://www.rockinger.com/parts/elektrik-knoepfe/vorverdrahtete-elektrik/1861/rockinger-elektronik-fuer-les-paul-long-shaft-push-potis

Potiknöpfe: Rockinger Dome Speed Knob mit Markierung

Zargenbuchse lang

Saiten: Elixir Nanoweb Custom light 09/46

Abschirmfarbe Rockinger Ground Control

CLOU Schnellschleif-Grundierung

CLOU Holzwachs

Epoxidharz: Luminacast A + B

Pigment: boesner Künstler-Pigment Pariserblau

Klarlack: Primaster Nitro-Kombinationslack hochglänzend



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